2012 Patmos Verlag. 236 Seiten, gebunden, 19,90 Euro.

Aus seiner langjährigen Praxis als Psychotherapeut kristallisiert Michael E. Addis drei Formen des Schweigens von Männern heraus: Das „persönliche Schweigen“ tritt auf, wenn der Mann keinen Zugang mehr zu seiner inneren, emotionalen Welt besitzt. Beim „privaten Schweigen“ hat der Mann zwar Zugang zu seiner emotionalen Welt, aber er kann oder will sich nicht mitteilen. Zu diesen beiden tritt noch ein „öffentliches zum Schweigen bringen“ hinzu. Immer noch wollen viele – Männer wie Frauen, die Gesellschaft – nicht von der Verletzlichkeit und Emotionalität von Männern hören.

Michael Addis bringt viele Beispiele, die auch dazu dienen, beim Leser einen Prozess in Gang zu setzen. Er gibt viele Anregungen für das eigene Nachspüren.

Sanft, aber eindringlich versucht Addis den Leser dafür zu gewinnen, dass es notwendig ist, sich als Mann um seine emotionale Innenwelt zu kümmern und sie nicht als Schwäche oder Charakterstörung zu sehen.

Der Autor betrachtet aber auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Dazu gehört vor allem ein seit langer Zeit vorherrschendes System und Männerbild, das die wahre Person des Mannes unsichtbar und zum Schweigen bestimmt macht.

Das Buch des us-amerikanischen Professors für Psychologie ist nicht einfach zu lesen. Es regt dazu an, es immer wieder aus der Hand zu legen und nachzuspüren, was bei einem selbst los ist. Es lohnt sich für Männer, die in sich hineinhören wollen, sowie für Partnerinnen, die verstehen wollen, was in ihrem Gegenüber vor sich geht, aber auch was in ihnen selbst dabei in Gang gesetzt wird.

Jürgen Bach