2011 cap! Verlag, kartoniert, 280 Seiten, 14,95 Euro.

David Murrow, Autor und Produzent, hat ein provozierendes Buch geschrieben. Gerade deshalb ist es lesenswert. Murrow will nicht Männer ändern, sondern die Kirche. Warum gehen Männer nicht zum Gottesdienst? Die Antworten Murrows: Weil Männern Qualität im Gottesdienst fehlt. Weil Männer durch den Gottesdienst nicht herausgefordert werden. Weil zu wenig Technik im Gottesdienst eingesetzt wird. Weil Männer ihre Männlichkeit an der Kirchentür abgeben müssen.

Murrows Antworten und seine Analysen wirken auf den ersten Blick klischeehaft. Die Kirche bedient vor allem das Thema Beziehungen. Beziehungen zu Gott, zu Jesus und untereinander. Männer suchen aber etwas anderes: "Risiko und Belohnung, Errungenschaften, das heldenhafte Opfer, Action und Abenteuer!" Das alles - so Murrow - finden sie in den Gemeinden nicht. Deshalb kommen sie nicht. Murrow findet die Lösung des Problems durch die "Wiederherstellung des maskulinen Geistes in der Kirche". Männer sollen die Gelegenheit in der Gemeinde bekommen, ihre Fähigkeiten und Gaben (nicht nur im Bauausschuss) einzusetzen, der Gottesdienst soll männlicher werden. Kurze Predigt. Weniger gefühlsbetonte Lieder.

Nachdem man sich über die Klischees und die Lösungsmöglichkeiten genug aufgeregt hat, lohnt es sich aber einmal in Ruhe über Murrows Thesen nachzudenken. Ich habe in der Gemeinderealität der (fehlenden) Männer manches entdeckt, was Murrow provozierend und doch treffend und herausfordernd beschreibt. Männer sind nicht dazu da, um passiv und gelangweilt in Kirchenbänken zu sitzen, sondern um geistliche Väter für andere zu sein oder zu werden und somit die Welt zu verändern.

Stefan Reinhardt